Verzeichnis der Artikel der Zeitschrift

Die Innovationspolitik in drei europäischen Ländern am Beispiel der Biotechnologie




Bernhard Zechendorf
Seit mehr als 20 Jahren steht die Biotechnologie in allen großen europäischen Ländern an erster Stelle der Innovationspolitik. Die drei wichtigsten Länder (Frankreich, Großbritannien und Deutschland) verfügen in Europa über 80 Prozent des Potentials im Bereich der Biotechnologie. Wie haben diese Länder ihre Politik auf diesem Gebiet umgesetzt und welche Ergebnisse haben sie erzielt? Anhand eines von der Europäischen Kommission fi nanzierten Projekts wurde versucht, dies zu ermitteln. Dazu wurden für den Zeitraum von 1994 bis 2001 die Entwicklung der Wissensgrundlagen, Patentaktivitäten, Maßnahmen zum Technologietransfer, die Gesetzgebung, Mittel zur Industrieförderung und die öffentliche Meinung untersucht. Indem sich der Autor auch auf Daten aus anderen Quellen stützt, vermittelt er ein dynamisches Bild der Politik jedes Landes und seiner Entwicklung bis 2003.
Die Rolle der Akteure im Lebenszyklus junger Biotechnologie-Unternehmen



Géraldine Galindo,
Najoua Boufaden
Dieser Artikel berichtet über die Entwicklung junger Biotechnologie-Unternehmen, wobeier der Rolle der in dieser Branche Beteiligten besondere Aufmerksamkeit schenkt. Konkret wurde die Entwicklung eines Unternehmens vor dem Hintergrund von Entwicklungstheorien (z. B. Baird und Meshoulam, 1988) von Organisationen und kontextgestützt (Pettigrew, 1987) betrachtet. Anhand einer Unternehmensmonographie (Spin-Off eines öffentlichen Forschungslabors), die sich über anderthalb Jahre erstreckte, konnten Primär- (Gespräche) und Sekundärdaten (interne Dokumentation und aus der Branche) gesammelt werden. Deren Analyse zeigt, dass die Entwicklung dieses Unternehmens der Biotechnologie durch Brüche gekennzeichnet ist, die die Stabilität des Systems regelmäßig in Frage stellen. Jeder neue Gleichgewichtszustand entspricht einem neuen Reifeschritt des Unternehmens und widerspiegelt wie sich die Akteure in dieser Branche darüber bewusst werden, dass ihr Wirken in zwei Spannungsfeldern erfolgt: Forschung und Unternehmen.
Public Private Partnership in der Genomik: die Kompromissfi ndung in Hybrid- Organisationen




Antoine Bureth and Chantale Mailhot
Partnerschaften der öffentlichen Hand mit Privatunternehmen gelten als Hauptinstrument gesamtgesellschaftlicher Innovationsprozesse. Im Bereich der Molekular-Biotechnologie stehen diese Partnerschaften im Mittelpunkt von Produktion, Akkumulation und Verbreitung von Wissen. Allerdings führen sie auch viele verschiedene Akteure mit unterschiedlichen und manchmal entgegengesetzten Interessen zusammen. Der Erfolg dieser Partnerschaften setzt die Findung von Kompromissen zwischen verschiedenen Logiken voraus. Der Bereich der Biotechnologie liefert interessante Beispiele für organisatorische Konstrukte, deren Ziel darin besteht, Akteure, die verschiedenen Handlungsmaximen gehorchen, zu koordinieren. In Anlehnung an das soziologische Polis-Modell von Boltanski und Thévenot arbeitet der Artikel die Besonderheiten der entsprechenden Koordinierungsmodi und die speziellen Herausforderungen heraus, die zu bestehen sind, um zu einer gemeinsamen Bewertung von Komplementaritäten und einer Verknüpfung der verschiedenen Logiken zu gelangen.
Der Einfluss des regionalen Umfelds auf die Entstehung und das Wachstum kleiner und mittlerer Biotechnologieunter
nehmen


Corinne Autant-Bernard, Vincent Mangematin,
Nadine Massard
Die Autoren analysieren, welche Elemente für Entstehung und Wachstum kleiner und mittlerer Biotechnologieunternehmen auf regionaler Ebene bestimmend sind. Sie zeigen, dass diese Firmen in Regionen gegründet werden, die ein hohes wissenschaftliches und technologisches Potential aufweisen. Die Diversität der wissenschaftlichen und technischen Kompetenzen, die Größe der Märkte und die Konzentration verbundener Industrien (Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit mit den Biowissenschaften verbunden ist) wirken sich positiv auf die Attraktivität der Region in Bezug auf Unternehmensgründungen aus. Die wissenschaftlichen und technologischen Profi le der Regionen hingegen haben keinen entscheidenden Einfl uss auf das Wachstum der Unternehmen.
Die Biotechnologie in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur: Akteure, Dynamiken und Entwicklungsperspektiven


Stéphane Ghio, Joël Grillasca and Rémi Roghe
In der Region Provence-Alpes-Côte-d'Azur (PACA) sind zahlreiche öffentliche Forschungslabors und ca. 40 Unternehmen angesiedelt, die in der Wachstumsbranche Biotechnologie tätig sind. Dieser Artikel analysiert die Dynamik von Forschung, Entwicklung und Industrie im Bereich Biotechnologie der Region PACA anhand zweier Achsen: - Forschungsthemen öffentlicher Forschungsteams,>- unternehmerische Dynamik aufstrebender Unternehmen. Es werden Entwicklungs- und Strukturperspektiven für den Bereich Biotechnologie in der Region PACA aufgezeigt, wobei bestimmte Kompetenz- und Tätigkeitsbereiche, die für die Region besonders wichtig sind, gesondert behandelt werden.
Die Rolle des Patents in der Biotechnologie am Beispiel des BioValley im Oberrhein-Gebiet

Antoine Bureth, Rachel Levy,
Julien Penin and Sandrine Wolff
Erste Ergebnisse einer Umfrage unter Biotechnologieunternehmen im oberrheinischen BioValley haben gezeigt, dass das Patent vor allem als ein Mittel zum Schutz erfi nderischen Wissens wahrgenommen wird. Dabei geht es sowohl um den Ausschluss von Konkurrenten als auch um eine Stärkung des Verhandlungsspielraums des Inhabers im Fall einer Zusammenarbeit mit anderen Akteuren. Folglich beschränkt sich die Aufgabe des Patents nicht nur darauf, Mitwettbewerber und potentielle Nachahmer auszuschließen. Der vom Patent gewährte Schutz bietet dem Inhaber in Verbindung mit einer Signalfunktion (positive und negative) Möglichkeiten der Koordinierung und sogar zur organisationsübergreifenden Zusammenarbeit. Dieser Artikel analysiert die Daseinsberechtigung, die Praktiken und die Auswirkungen des Patents im Bereich Biotechnologie und regt an, die traditionelle wirtschaftliche Bedeutung des Patents als Instrument, das für einen bestimmten Zeitraum ein Monopol garantiert, zu überwinden.
Unabhängige Biotechn ologieunternehmen und Patentanmeldungen: eine ökonometrische Untersuchung

Stéphane Lhuillery
and Catherine Carpentier
Das Interesse an einer Patentanmeldung ist bei Biotechnologieunternehmen relativ schwach ausgeprägt. Wir haben versucht, anhand von Umfragedaten unter Biotechn ologieunternehmen in Frankreich, die 2002 von der Direction de l'évaluation et de la prospective gewonnen wurden, zu ermitteln, was die 219 unabhängigen klein- und mittelständischen Unternehmen und Industrien im Untersuchungsbereich motivieren könnte, mehr oder weniger Patente anzumelden. Ökonometrische Untersuchungen zeigen, dass die Nähe zwischen dem Unternehmen und der öffentlichen Forschung den Umfang der Patentportfolios in zweierlei Hinsicht beeinfl usst, auch wenn im Allgemeinen die positiven Einfl üsse überwiegen. Parallel dazu kann sich auch die Diversität der Tätigkeit der Biotech- Firmen als ein beschränkender Faktor erweisen.
Risikokapital und Intermediation: die Grundlagen des unternehmerischen Aufschwungs im Bereich Biotechnologie in Deutschland am Beispiel der Region Berlin-




Claire Champenois
Deutschland hat in der zweiten Hälfte der 90er Jahre eine stürmische Entwicklung seiner Biotechnologie-Industrie erlebt. Im Jahr 2000 überrundete es Großbritannien und wurde zum europäischen Land mit den meisten Unternehmen im Bereich der Biowissenschaften. Dieser Artikel, der sich auf eine tiefergehende empirische Studie stützt, bietet eine sozioökonomische Analyse der Gründungsmechanismen von Startup-Unternehmen auf dem Gebiet der Biotechnologie in einer deutschen Spitzenregion (Berlin-Brandenburg). Er beleuchtet die Grundlagen der unternehmerischen Dynamik in Deutschland auf dem Gebiet der Biowissenschaften und hilft, die Nachhaltigkeit dieser Dynamik in einem deutlich
weniger günstigen ökonomischen Kontext zu verstehen.
Entwicklung der Aktivitäten im Bereich Biotechnologie in Kanada - 1997, 1999 und 2001






Lara Raoub
Dieser Artikel verwendet die Daten von drei Umfragen über Biotechnologie, die von Statistique Canada (1997, 1999 und 2001) durchgeführt wurden, um die weitere Entwicklung der Aktivitäten im Bereich Biotechnologie in Kanada zu analysieren. Diese Analyse zeigt, dass der Bereich Biotechnologie allgemein gesehen rasch expandiert. Insgesamt hat die Anzahl innovativer Unternehmen, die sich mit Biotechnologie beschäftigen, von 282 im Jahr 1997 auf 375 im Jahre 2001 kontinuierlich zugenommen. Diese Expansion wird ebenfalls deutlich, wenn man die Entwicklung der von der Biotechnologie generierten Einkommen beobachtet, die sich von 1997 bis 2001 vervierfacht haben. Die Früchte von Forschung und Entwicklung beginnen, sich materiell zu manifestieren, was durch das Verhältnis zwischen dem Einkommen und den Ausgaben für Forschung und Entwicklung, das sich von 1,65 Dollar im Jahre 1997 auf 2,67 im Jahre 2001 veränderte, widergespiegelt wird. Allerdings gibt es auch weiterhin zahlreiche Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, Kapital zur Finanzierung ihrer Forschungsprojekte zu fi nden. Das betrifft insbesondere kleine Unternehmen, die mehr als 70 Prozent aller Biotechnologie-Unternehmen ausmachen.
Mise à jour : février 2020